
Malen unterwegs und angeschlossen am PC: Magic Pro 13 im Test
Das neue standalone Grafiktablet von XPPen hat die klar bessere Hardware als sein Vorgänger. Zudem sieht es schick aus und hat einen extrem praktischen Schieberegler verbaut.
Das Magic Pro 13 von XPPen ist für die digitale Kunst unterwegs und zuhause konzipiert. Mit Android-Malprogrammen kritzle ich im nächsten Café meine Ideen. Daheim schliesse ich das Gerät bei Bedarf per USB-C am PC an. Dann kann ich es als reines Zeichen-Tablet (ohne Display) nutzen.
Design und Display überzeugen mich
Das Magic Pro 13 ist etwa DIN-A4 gross, 0,7 Zentimeter dünn und wiegt 655 Gramm. Grösse und Gewicht sind damit ideal fürs leichte Gepäck unterwegs. Die Rückseite in mattem Weiss gefällt mir und fühlt sich angenehm an. Praktisch sind auch die gummierten Noppen an den Ecken. Damit rutscht das Tablet auf glatten Oberflächen nicht zu sehr. Der kleine Kamerabuckel bringt es ebenfalls nicht zum wackeln, es liegt gerade auf ebenen Flächen.

Das IPS-Display des Magic Pro ist knapp 13 Zoll gross und bietet eine Auflösung von 3096 × 2064 Pixeln. Das sorgt für ein scharfes Bild. Dank der 120-Hertz-Bildwiederholrate habe ich zudem ein flüssiges Erlebnis beim Scrollen. Zudem bekomme ich mit 650 Nits Spitzenhelligkeit und dem matten Display ein Tablet, das ich auch bei Sonnenschein draussen gut nutzen kann. Der Bildschirm ist dafür hell genug und seine matte Beschichtung hält Reflexionen fern. Auflösung, Bildwiederholrate und Helligkeit waren beim Vorgänger, dem Magic Drawing Pad, wesentlich geringer.

Je nach Anwendungsgebiet ist für Kunstschaffende die Farbraumabdeckung wichtig. Das Tablet deckt 100 Prozent des sRGB-Farbraums ab und 96 Prozent des DCI-P3. Ersteres ist ein guter Wert für digitale Werke. Letzteres ist für die Filmproduktion relevant und ebenfalls in einem guten Bereich. Den Adobe-RGB-Farbraum (für den Druck) gibt der Hersteller leider nicht an.
Hardware: Schieberegler für den Touchscreen
XPPen verbaut einen Mediatek Dimensity 8300. Der schlägt sich in den Benchmarks gut im Vergleich mit anderen Kunst-Androidtablets, etwa dem Huawei Matepad Air (Kirin T93B) oder dem Wacom Movinkpad 11 (Snapdragon 8s Gen 3). Der Chip aus dem Vorgängertablet (Mediatek MT8771) war noch in der Unter- bis Mittelklasse zu verorten. Der 8300er – ein Chip der oberen Mittelklasse – bringt schon deutlich mehr Leistung mit.
Die acht Gigabyte RAM sind in Ordnung, aber nicht überragend. Je mehr RAM, desto grösser und hochauflösender kann ich Leinwände erstellen. Zur Einordnung: Beim Vorgänger habe ich Abstriche festgestellt, wenn ich «Clip Studio Paint» genutzt habe. Beim Radieren hinkte der Cursor extrem hinterher, wenn ich eine A4-grosse Leinwand mit 350 dpi erstellte. Auch hier habe ich das Problem, allerdings erst ab A3. Bei A4 verschwindet das Stocken allerdings, und beim weniger leistungshungrigen Malprogramm «Infinite Painter» stelle ich gar keine Probleme fest.
Als interner Speicher stehen 256 GB zur Verfügung. Zur Speichererweiterung für bis zu 2 Terabyte befindet sich seitlich ein microSD-Slot.
XPPen packt einen Akku mit 10 200 mAh rein. Der hält beim Malen etwa acht bis zehn Stunden durch. Das ist gut, aber im gleichen Rahmen wie beim Vorgänger mit kleinerem Akku (8 000 mAh). Aufladen kann ich ihn mit bis zu 45 Watt. Ein passendes Netzteil bietet der Hersteller separat an.
Ein spannendes Hardware-Feature ist der Schieberegler oben an der Seite. Über ihn sperre ich direkt die Touchfunktion des Tablets. Wie nützlich er in der Praxis ist, erkläre ich weiter unten beim Malen.

Möchte ich für Referenzbilder ein Foto mit dem Tablet machen, geht das auch. Dafür stehen mir zwei Kameras zur Verfügung. Vorne 8 Megapixel und rückseitig 13. Die Qualität ist nicht überragend, aber für den Zweck völlig ausreichend.
Praktisches Zubehör liefert XPPen gleich mit
Das wichtigste Zubehör für ein Grafiktablet ist natürlich der Stift. XPPen packt den neuen X4 Smart Chip Stylus mit ein. Sein weisses Design passt zum Tablet, und er liegt angenehm leicht in meiner Hand. Der Stift erkennt zudem über 16 000 Druckstufen.

Die beiden Knöpfe an der Vorderseite kann ich nicht frei belegen, habe aber dennoch eine Auswahl dafür. Sie umfasst jedoch nur Punkte wie zwischen Apps springen, zu den Schnelleinstellungen oder direkt zurück zum Startbildschirm. Das finde ich nicht besonders nützlich. Normalerweise nutze ich solche Tasten für Shortcuts beim Zeichnen, um zwischen zwei Werkzeugen zu wechseln oder einen Schritt rückgängig zu machen.

Praktischerweise kann ich den Stift kalibrieren. Das ist bei mir zwar nicht nötig, allerdings kann ich die anderen Stifte von XPPen mit dem Tablet nutzen. Da muss ich jeweils den Cursor minimal schieben, damit er an der richtigen Stelle des Bildschirms erscheint.
Als weiteres Zubehör finde ich zwei verschiedene Sorten Ersatz-Nibs für den Stylus, vier aus Kunststoff und vier aus Filz. Auch ein Handschuh ist dabei, damit ich besser über das Display gleite. Neben der Touchscreensperre kann auch er verhindern, dass ich aus Versehen etwas mit der Hand male, statt dem Stift.
Sollte dir das an Zusatz nicht reichen, bietet XPPen separat eine passende Tastatur an, einen Standfuss, eine magnetische Schutzhülle sowie den erwähnten 45-Watt-Adapter. Gerade einen Standfuss empfehle ich dir, wenn du mit dem Tablet bequem auf einem Tisch malen möchtest.
Die App-Auswahl überzeugt mich nur teilweise
Das Magic Pro 13 kommt mit Android 16 und der Benutzeroberfläche von XPPen. Damit ist das Tablet auf dem aktuellen Stand, auch wenn gerade Android 17 ausgerollt wird. Das Vorgängermodell war noch mit Android 12 bestückt, während schon Android 15 ausgerollt wurde. Das hatte ich dort stark bemängelt, nun bin ich zufrieden. Auch die aufgeräumte Benutzeroberfläche von XPPen gefällt mir.

Mit drauf packt der Hersteller die ganzen Google-Services und ein paar praktische Mal- und Notizprogramme. Allerdings sind die Malprogramme nur begrenzt gratis nutzbar. Das finde ich schade – ist allerdings auch bei sonstigen Grafiktablets nicht anders. Von den Herstellern, die ich kenne, bieten einzig Huaweis Tablets kostenlos ein vollwertiges und gutes Kunstprogramm.
Vollumfänglich gratis sind die neue App Canvas von XPPen mit nur sehr minimalen Möglichkeiten sowie eine Notiz- und eine Mathe-App. Für mehr Möglichkeiten musst du dir im Playstore andere Apps runterladen.

Dafür packt XPPen praktische Softwarefunktionen dazu. Beispielsweise öffne ich eine App als schwebendes Fenster. So zeige ich mir beispielsweise ein Referenzbild aus der Galerie direkt über meiner Leinwand an. Das funktioniert, weil das Schwebefenster jeweils immer über der anderen App angezeigt wird und ich es auch schieben und vergrössern kann. Auch praktisch: Ich kann auf diese Weise das Word öffnen und Notizen machen, während ich ein Youtube-Tutorial gucke. In Word kann ich nämlich zwischen Stift- und Tastatureingabe wechseln.

Das vorinstallierte «Clip Studio Paint» empfehle ich dir nur, wenn du in grösserem Stile malst. Du hast extrem viele Möglichkeiten damit und kannst sogar Dinge einstellen wie die Druckstufen des Stylus, diverse Leinwandspezifikationen und so weiter. Allerdings ist es insgesamt recht teuer. Kritzeln kann ich zwar gratis damit, aber bereits wenn ich ein Bild speichern möchte, muss ich ein Abo lösen. Das kostet mich jährlich mindestens 24 Franken oder Euro. Das Programm mag ich wirklich gern, aber Abopreise nerven.

Alternativ empfehle ich dir deshalb Infinite Painter. Das Programm kannst du in abgespeckter Version gratis nutzen und bezahlst für einen grösseren Funktionsumfang einmalig 20 Franken oder Euro.
Weitere Malprogramm-Kandidaten, die zum Ausprobieren lohnenswert sind, findest du in der folgenden Übersicht:
Malen mit dem Magic Pro 13
Bei Infinite Painter kann ich mich wunderbar austoben. Das matte Display gibt mir dank der feinen Oberfläche den nötigen Grip, ohne sich kratzig anzufühlen. Die Latenz ist sehr gering. Das bedeutet, ich bemerke sie zwar, wenn ich darauf achte, sie stört mich aber nicht beim Zeichnen.
Den Schieberegler nutze ich ab und an, damit ich nicht ungewollt Striche mit dem Handballen ziehe. Allerdings fehlt mir dann, dass ich meine Leinwand nicht per Finger heranzoomen kann. Deshalb nutze ich den nicht beim schnellen Skizzieren, sondern nur beim Ausmalen, wenn ich lange die gleiche Leinwand-Ansicht habe. Da wäre es nun praktisch, einen Zoom-Shortcut auf dem Stylus zu haben.

Der Stift selbst fühlt sich beim Malen super angenehm an. Er liegt leicht und griffig in der Hand und die Tasten sind weit hinten angebracht, sodass ich sie nicht aus Versehen drücke. XPPen hat seine Form praktisch gewählt. Vorne ist er angenehm rund und hinten etwas abgeflacht. So rollt er nicht weg, wenn ich ihn auf den Tisch lege. Der angezeigte Cursor ist praktisch für die Detailarbeit.
Nachdem ich mein Testbild fertig gemalt habe, bemerke ich erst, wie schnell ein paar Stunden vergangen sind. Ich bin voll im Flow und die Hardware hält mit mehreren Ebenen gut mit. Sie kommt dennoch an ihre Grenzen. Ein Bild über DIN A3 oder mehrere Dutzend Ebenen empfehle ich damit nicht, da fangen mein Programm und der Cursor an zu stocken und sich aufzuhängen. Für kleinere Werke reicht das Magic Pro 13 aber vollkommen aus. Meinem Anspruch fürs Malen unterwegs genügt das.

Ganz einfach auch das Tablet am PC anschliessen
Ein kleiner spannender Zusatz: Das Tablet besitzt zwei USB-C-Anschlüsse. Einen verwende ich, um das Tablet mit meinem PC (oder Mac) zu verbinden. Dann geht das Magic Pro 13 automatisch in einen Tabletmodus ohne Display. So kann ich jegliche Programme des Computers nutzen und das Tablet als Malgrund. Das ist ziemlich cool und gar nicht kompliziert. Dafür muss ich lediglich einen Treiber von XPPen installieren. Danach kann ich auch die Druckempfindlichkeit des Stylus am PC einstellen.

Fazit
Das Magic Pro 13 ist ein starkes Upgrade fürs Malen unterwegs
Mit dem Magic Pro 13 liefert XPPen ein starkes Hardware-Upgrade. Das Vorgängermodell hatte sowohl bei der Hardware als auch bei der Software starke Schwächen. Die hat der Hersteller hier ausgemerzt. Der Mediatek-Chip, das helle und matte Display sowie Android 16 machen das Tablet zu einem tollen Begleiter für kreative Köpfe. Gerade unterwegs überzeugen das leichte und griffige Design und der ordentliche Akku. Dank Schieberegler stelle ich physisch die Touchfunktion des Tablets ab. Mit dem druckempfindlichen Stylus bist du bestens ausgestattet für einen sauberen Workflow. Zumindest bei Kunstwerken bis DIN A3, danach fängt das Tablet gerne an zu stocken.
Für grössere Bilder nutzt du besser stationär den PC-Modus, der sich automatisch aktiviert, wenn du das Tablet mit USB-C anschliesst. Schade ist hier, dass das Display am Tablet dann keine Bildvorschau anzeigt. Du malst also auf dem schwarzen Screen und siehst die Übertragung dann am Computer-Display. Daran muss man sich erst gewöhnen. Immerhin kannst du dann jegliche PC-Software nutzen.
Der Preis für das Tablet ist hoch, wobei Tablets der Konkurrenz mit guter Ausstattung auch nicht günstiger sind. XPPen verlangt dafür 1000 Euro in seinem Shop. Wir bemühen uns das Magic Pro 13 auch schnellstmöglich in unseren Shop aufzunehmen.
Pro
- gutes Display mit scharfer Auflösung und mattem Panel
- starke Performance
- nützlicher PC-Modus über zweiten USB-C-Anschluss
- Schieberegler für den Touchscreen-Modus
- durchdachter Stylus (rollt dank abgeflachter Rückseite nicht weg)
Contra
- Leistungsgrenze bei Grossformaten (ab A3 stockt es gern)
- eingeschränkte Stylus-Tasten
- Gratis-Software nur teilweise sinnvoll
Seit ich einen Stift halten kann, kritzel ich die Welt bunt. Dank iPad kommt auch die digitale Kunst nicht zu kurz. Daher teste ich am liebsten Tablets – für die Grafik und normale. Will ich meine Kreativität mit leichtem Gepäck ausleben, schnappe ich mir die neuesten Smartphones und knippse drauf los.
Unsere Expertinnen und Experten testen Produkte und deren Anwendungen. Unabhängig und neutral.
Alle anzeigen












